Libanon Teil 1 – ‘The Sisters of Noah’ in Bechealeh

Libanon Teil 1 – ‘The Sisters of Noah’ in Bechealeh

Meine Geschichte von den ‘Sisters of Noah’ beginnt bereits vor Antritt meiner Reise in den Libanon. Anlass war die Hochzeit eines Freundes. Geschätzt gibt es ca. 13 Mio. Olivenbäume (Olea europaea) im Libanon. Beim Recherchieren bin ich eher zufällig auf das kleine Bergdorf Bechealeh im Bezirk Batroun gestoßen. Der Ort bewahrt einen ganz besonderem Baumschatz, einen Hain bestehend aus sechzehn sehr alten, darunter ein paar wirklich monumentale Olivenbäume. Schnell stand fest das ich diese Gelegenheit nicht verpassen durfte und dieses versteckte Bergdorf besuchen wollte.

Schwer zu glauben – nach Meinung der lokalen Bevölkerung soll es sich um die wahrscheinlich ältesten Olivenbäume der Welt handeln. Davon zeugt vor Ort ein Schild des Ministeriums für Tourismus mit der Altersangabe 4.000 A.J.C. (Avant Jésus Christ). Eine Alter von 6.000 Jahren würde sogar den bisher als ältesten geschätzen Olivenbaum der Erde ‘The olive tree of Vouves’ in Kolymvari (Regierungsbezirk Chania) auf der Insel Kreta in den Schatten stellen. Dessen Alter wir zwischen 2.000 Jahren und 4.000 Jahren geschätzt. Genau lässt sich dies jedoch wissenschaftlich nicht bestimmen. Es gibt immer noch keine allgemein anerkannte wissenschaftliche Methode zur genauen Altersbestimmung von Olivenbäumen. Die Radiokarbondatierung kann aufgrund des fehlenden Kernholzes nicht durchgeführt werden. Eine Jahresringanalyse (schwierig bei Olivenbäumen aufgrund der Holzanatomie) des verbleibenden Holzes soll den unteren Altersrand mit 2.000 Jahren belegen. Als weitere Indikatoren werden zwei Gräbern nahe des Baumes aus der geometrischen Zeit (ca. 900 – 700/675 v. Chr.) aufgeführt. Mein Versuch gesicherte Erkenntnisse über das mutmaßliche Alter der Bäume von Bechealeh herauszufinden schlug fehl. Über weitere Erkenntnisse der Altersbestimmung bin ich gespannt.

Mein Freund Michael hat es dann tatsächlich ermöglicht und ich konnte direkt vor Ort Bekanntschaft mit den einzigartigen Zeitzeugen machen. Ein Anwohner erzählte uns die Bäume gehören der maronitischen Kirche. Der Ort zeugt auch historisch von einer großen Spiritualität. Dies könnte auch ein Grund für das Überleben über die vielen Jahrhunderte sein. Angeblich wurden in Frankreich Untersuchungen über das Alter des Baumes angestellt, welche das oben genannte Alter bestätigt hätten. Papiere hierzu konnte ich aber nicht auffinden. Wie auch immer – jedenfalls erscheint es mir rein optisch gesichert, das diese Bäume ein sehr hohes Alter haben müssen. Dafür spricht auch der mit 1.311m über Meeresspiegel für Olivenbäume äußerst ungewöhnlich hohe Standort. Manche Quellen sprechen sogar vom höchst gelegenen antiken Vorkommen.

Der hoch gelegene Standort ist wohl auch Anlass für die Namensgebung. Hinter dem Namen ‘The Sisters of Noah’ versteckt sich eine Folklore. Nach dieser kam die Taube, die Noah auf der Arche ausgesendet hat um nach der Sinnflut nach Land Ausschau zu halten mit einem Olivenblatt zurück, das von einem der Bäume aus Bechealeh stammt. Wie sich der Ort mit Landung der Arche im Gebirge Ararat (Gen. 8,4) in Verbindung bringen lässt wäre eine eigenen Geschichte.

Nach vierzig Tagen tat Noah an der Arche das Fenster auf, das er gemacht hatte, und ließ einen Raben ausfliegen; der flog immer hin und her, bis die Wasser vertrockneten auf Erden. Danach ließ er eine Taube ausfliegen, um zu erfahren, ob die Wasser sich verlaufen hätten auf Erden. Da aber die Taube nichts fand, wo ihr Fuß ruhen konnte, kam sie wieder zu ihm in die Arche; denn noch war Wasser auf dem ganzen Erdboden. Da tat er die Hand heraus und nahm sie zu sich in die Arche. Da harrte er noch weitere sieben Tage und ließ abermals die Taube fliegen aus der Arche. Sie kam zu ihm um die Abendzeit, und siehe, sie hatte ein frisches Ölblatt in ihrem Schnabel. Da merkte Noah, dass die Wasser sich verlaufen hatten auf Erden. Aber er harrte noch weitere sieben Tage und ließ die Taube ausfliegen; sie kam nicht wieder zu ihm. 

1.Mose 8, 6-12

 

Es ist einfach erstaunlich – die Olivenbäume bringen nach all den Jahrhunderten immer noch Frucht. Eine Besonderheit der Bäume ist wohl das qualitativ sehr hochwertige Olivenöl. Dank des Anwohners konnten wir direkt von einem Baum probieren. Ich bin nun kein Kenner von Oliven und diese waren bereits von der Sonne etwas runzelig geworden, aber der Geschmack war so intensiv, dass ich die Oliven sogar noch zehn Minuten nach dem Verzehr schmecken konnte. Laut Internetrecherche lässt sich aus den ältesten Bäumen ein preisgekröntes Olivenöl mit einem sehr niedrigen Säuregehalt und einem hohen Anteil an Polyphenolen herstellen. Zum Schutz des Baumes betreibt eine Vereinigung die Vermarktung des Öls.

Innerhalb der Gruppe von insgesamt sechzehn Bäumen sieht jeder Baum einfach einzigartig aus. Vor allem das Wurzelwerk beeindruckt mit seinen unruhigen, knorrigen Oberfläche. Die besonders ausgehöhlte Form einiger Bäume fällt einem sofort auf. Auch hier konnten wir vor Ort die angeblichen Hintergründe erfahren. So sollen einst Bewohner in kalten Wintern das innere „Totholz“ der Bäume als Brennholz verwendet haben und so die Bäume mit ausgehölt haben. Dies erklärt die Erscheinungsform mit den vorhandenen großen Öffnungen einiger Stämme. Hohl wären sie aber nach diesem Alter sicherlich auch ohne zusätzliche Unterstützung. Die Ältesten unter der Baumgruppe stehen in einer direkten Linie, was darauf hindeuten könnte, dass diese bereits vor sehr langer Zeit kultiviert wurden. Quellen die ich gefunden haben gehen von einer belegten Kultivierung mit Olivenhandel nach Ägypten bis 3500 Jahren vor Christus aus.

Auch wenn zunächst erhebliche Zweifel an der Korrektheit der Altersangaben angebracht sind war der Besuch vor Ort ein einmaliges Erlebnis. Ich bin sehr gespannt, ob sich der ein oder andere Leser finden lässt, der seine eigenen Erfahrungen zu diesen einzigartigen Bäumen mitteilt oder von neuen Erkenntnissen berichten kann. 

 

Quellen:
https://www.greenprophet.com/2013/01/noah-olive-trees-lebanon/
http://www.enosieptanision.gr/files/Olea%20europaea%20Alterssch%C3%A4tzung%20GILLNER%202014_10_19%20(1)%20(1)%20(3)%20(2)%20(2).pdf
https://www.thefreelibrary.com/Bechealeh’s+ancient+trees+still+producing+high-end+olive+oil.

Fred Hageneder, Maria Trendelkamp: Baumwelt, eine Reise durch die Welt der Bäume,  Neue Erde, 1.Auflage 2012

One thought on “Libanon Teil 1 – ‘The Sisters of Noah’ in Bechealeh

  1. Eine sicher unvergessliche Tagesreise zu beeindruckenden Bäumen! Sehr schöner Artikel, der mich zu einem kleinen Oliven Tasting in der Küche veranlasst hat – leider kein langer Abgang von 10 Minuten. Ich werde beim nächsten Kauf einen älteren Jahrgang verlangen. Aber Scherz beiseite, die fast schon detektivische Akribie bei Deinen Recherchen vor Ort und online bieten uns einen spannenden Einblick. Schöne Grüße

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