Libanon Teil 2: Horsh Arz ar-Rabb „Der Zedernwald des Herrn“

Libanon Teil 2: Horsh Arz ar-Rabb „Der Zedernwald des Herrn“

Der Libanon gilt im Alten Testaments als ein Ort der Herrlichkeit (Jes 35,2). Im Wadi Qadisha (Becharre District, Governorate of North Lebanon), dem „heiligen Tal“ sind einige sehr alte und bedeutende chrisliche Klostersiedlungen zu bestaunen. Da es sehr abgelegen liegt wurde es über Jahrhunderte von gläubigen Christen genutzt, die oft unter Verfolgung litten. In unmittelbarer Nähe zu diesem herrlichen Ort befindet sich ein kleines aber sehr besonderes Zedernwäldchen. 1998 hat die UNESCO das Tal und den Hain auf die Liste der Weltkulturerbestätten gesetzt und damit deren Bedeutung unterstrichen.

Horsh Arz ar-Rabb „Der Zedernwald des Herrn“

Der Hain in 1.950m ü. NN liegt unweit des Mount Libanon und des Berges al-Qurnat as-Sauda „Schwarzes Horn“ der mit 3.088m der höchste Berge des Libanongebirges ist. Der Hain, bestehend aus ca. 375 teilweise sehr alten und mächtigen Zedern (cedrus libani) gehört zu den letzten verbliebenen Resten der einst so großen und mächtigen Zedernwälder des Libanon. Nach den Erzählungen sollen zwei der Zedern 3.000 Jahre alt sein und weitere zehn mehr als 1.000 Jahre. Vier der Bäume haben einen Umfang von 12-14m. Der Schutz dieses Hains geht bereits auf das Jahr 1876 zurück als die britische Königin Victoria einen Steinmauer zum Schutz des Baumes finanzierte.

Die Zedernwälder schrumpfen seit der Antike aufgrund extremer Übernutzung und unterlassener Wiederaufforstung unaufhörlich bis auf kleine Reste. Früher gab es riesige Wälder in allen Berggebieten Vorderasiens. Im Libanon waren weite Landesflächen von Zedernwäldern bedeckt. Heute jedoch gibt es sie nur noch in und um den Libanon, an der syrischen Küste, in der Südtürkei und auf Zypern. Das ursprünglich im Libanon anzusetzende natürliche Areal beträgt ganze 500.000ha. Heute verleiben dem Libanon nur noch eine Gesamtflächefläche von ca. 2.000ha oder 20km² an Zedernwälder und ohne degradierte Flächen und Aufforstungen 342ha an geschlossenen Reinbeständen. Das sind lediglich 3,7% der Fläche des Bodensees mit 536km² oder 0,4% der ursprünglichen Gesamtfläche. Traurig wenn man bedenkt welche Bedeutung die Zeder bereits in der Antike hatte und auch im heutigen Libanon hat. Doch die letzte Hoffnung ist noch nicht verloren. So stehen große Teile der letzten Vorkommen der Zedernwälder wie im Naturreservat Al Shouf, das mit 520ha (25% des Gesamtbestandes) ausmacht unter Schutz. Es gibt zahlreiche Bemühungen zur Wiederaufforstung der antiken Wälder. Ziel der libanesischen Regierung ist es den Bestand um 50% bis zum Jahr 2020 zu erhöhen. 1 Million Bäume sollen pro Jahre gepflanzt werden.

Zu später Stunde aber mit viel Vorfreude sind wir am Zedernhain angekommen. Auch wenn das Aufsaugen der Atmosphäre leider ein wenig zu kurz gekommen ist, waren wir dennoch froh uns nicht vor verschlossenen Toren wiederfinden zu müssen. Dank Michael und dem gnädig gestimmten Wärter wurde uns der Besuch noch für eine Stunde gewährt. Ihr könnt Euch sicherlich vorstellen, dass ich versucht habe so viele Eindrücke wie möglich von diesem besonderen Ort mit meiner Kamera festzuhalten.

Gleich bei Ankunft ist mir das „irreale“ Erscheinungsbild der Zedernhains aufgefallen. Eine grüne Oase 2.000m über dem Meeresspiegel umringt von ausgetrockneter Erde und schneebedeckten Bergen. Kaum zu glauben, dass einmal das ganze Gebirge wohl aus einem riesigen Zedernwald bestanden haben muss. Wie dieser Ort gleichzeitig durch einen wohl duftendem Wald oder aber eine kargen Erd- und Steinwüste bestehen kann bringt einem stark zum Nachdenken.

Die wohl stärkste Zeder genannt „Cedre de Dieu“ hat einen Umfang von unglaublichen 14m bei einem Durchmesser von über 4m. Der Baum ist 25m hoch und sein Alter wird in verschiedenen Quellen auf unglaubliche 2.000 bis 3.000 Jahre geschätzt. Vor diesem wunderbaren Baum stehend kann man eigentlich nur noch staunen – man wirkt wie ein Zwerg. Auch wenn ich mir Mühe gegeben habe, lässt sich der Eindruck vor Ort schwer in einer Fotoserie fassen. Gerne hätte ich diesen Hain einmal bei anderer Wetterlage – im Nebel oder Schnee – bestaunt. Bei der Recherche bin ich in einem Lexikon auf ein Foto aus dem Jahr 1925 gestoßen. Ich denke es könnte aus dem Hain stammen. Schön ein solches Foto neunzig Jahre nach seiner Entstehung bestaunen zu können! Seid gespannt: mehr zu Libanons Zedern erfahrt ihr in Teil 3…

 

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