Die Kreuzeiche auf der Frankenhöhe

Die Kreuzeiche auf der Frankenhöhe

An einem schönen Tag im Mai legten wir auf dem Weg nach Nürnberg eine kleine Verweilpause an der alten Kreuzeiche von Hürbel am Rangen ein. Mein Begleiter Ulrich durfte dabei gleich als Maßstab in die Rolle des Statisten schlüpfen. Über den Baum wurde schon viel berichtet. Der Bayrische Rundfunk hat sogar eine kleine nette Reportage über die alte Eiche gedreht. Einige der Geschichten möchte ich euch nicht vorenthalten.

Woher die Kreuzeiche Ihren Namen hat weiß man nicht. Einer Legende nach soll der Abt Gumbert, der um 750 das Benediktinerkloster in Ansbach gegründet hat unter dem Baum gepredigt und Wunder bewirkt haben. Da die Eiche keine 1200 Jahre alt ist dürfte diese Geschichte allerdings nicht stimmen. Eine andere Vermutung schließt auf die sich kreuzenden alten Handelswege an denen der Baum steht. Auch könnte die Kreuzeiche Ihren Namen von Ihrer Kronenarchitektur in Form eines Kreuzes haben. Die Kreuzform ist heute besonders markant, da Ihre mächtigen Seitenarme stark eingekürzt wurden. Zuletzt könnte die Kreuzeiche auch zu den Überbleibsel einer Klosteranlage aus dem Jahr 1430 gehören, die zu Ehren des heiligen Burkhard errichtet wurde. Dies würde für ein Alter von 600 Jahren sprechen. Leider habe ich zu dieser Klosteranlage keine näheren Informationen finden können. 

Auch wenn vielmals von einer Stieleiche die Rede ist handelt es sich lt. Infotafel um eine Traubeneiche (Quercus petraea). Unter den alten Bäumen kommt diese deutlich seltener vor. Sie ist oft auf Hügeln und niedrigen Berglagen anzutreffen. Die Kreuzeiche gilt als ältester Baum im Naturpark Frankenhöhe und wird in verschiedenen Quellen auf ein Alter von 300-600 Jahren datiert. Sie hat einen Umfang in Brusthöhe von 6,45m (BHD 2,05m) bei einer Höhe von 16m und einem Kronendurchmesser von ca. 22m. Aufgrund einer alten Aufnahme des Pioniers und Baumfotografen Friedrich Stützer und dessen Beschreibung aus dem Jahre 1902 weiß man, dass die Eiche damals bei einem Stammdurchmesser von gut 1,5m einen sehr großen Kronendurchmesser von 39m gehabt hat.

Kreuzeiche Friedrich Stützer 1902
Kreuzeiche Friedrich Stützer 1902

Die ausladenden Äste überlebten noch bis in die 50er bevor der große Ast in der Mitte ausbrach. Um den Rest des Baumes vor diesem Schicksal zu bewahren kürzte man die Äste massiv ein. Alle Starkäste in der Krone wurden auf einen Zugast, auf einen Astreiter abgeleitet. Warum man hier nicht den Weg gewählt hat die Äste zu stützen oder zu verspannen erschließt sich mir nicht. Die markante Kreuzform ist so auch vorausschauendes Menschenwerk. 39m Kronendurchmesser – das ist mehr als die Lenzeiche heute hat, wobei diese um einige Meter eingekürzt wurde und eine perfekte Rundheit aufweist. Wie man aus den Aufzeichnungen aus dem Jahr 1902 ableiten kann wächst die Kreuzeiche nur sehr langsam. Das langsame Wachstum könnte sowohl an der Wasserzufuhr und dem nährstoffarmen Boden am Standort liegen. Unter Berücksichtigung der langsamen Wachstumsverhältnisse kann man auf ein Alter von 500 Jahre zurückschließen. 

Der heilige Burkhard war ein aus Südwestengland stammender Benediktinermönch der Anfang 742 von Bonifatius zum ersten Bischof von Würzburg eingesetzt wurde (742-754). Er war in der Missionsarbeit tätig. Um 750 gründete Burkhard in Würzburg das Andreaskloster unterhalb des Marienberges als Sitz der Domkleriker. Diese Beziehung ist schon sehr wunderlich bedenkt man das der heilige Bonifatius den einstigen Baumheiligtümern alles andere als wohlgesonnen gegenübertrat.

In 495m ü. NN. hat sie auf dem Boxberg an den Ausläufern der Frankenhöhe einen wunderschönen freien Standort. Der Solitär mit seinen interessanten Wurzelansätzen setzt sich hier wie ich finde perfekt in Szene. Aus den durch abgebrochenen Ästen haben die Anwohner eine schöne Bank zum Verweilen gefertigt. Um die Kreuzeiche wanken sich einige Legenden. Viel genannt ist die vom ruhelosen Fuhrmann Hans Roi. Dieser soll um die Adventszeit in jeder Nacht mit seinem Haupt unter dem Arm auf einem schwarzen Rappen an der Kreuzeiche vorbeigezogen sein. Dabei soll er ein sein sechspänniges Fuhrwerk neben sich her gehetzt haben.

 

Quellen:

Stefan Kühn, Bernd Ulrich, Uwe Kühn: Deutschlands alte Bäume. 7. Auflage, Neuausgabe. BLV Verlagsgesellschaft, München 2014, ISBN 978-3-8354-1224-8, Seiten 148-149.
Hans Joachim Fröhlich: Alle liebenswerte Bäume in Deutschland. Cornelia Ahlering Verlag, Buchholz 2000, Seite 290-291, ISBN 3-926600-05-5.
Friedrich Stützer: Die größten, ältesten oder sonst merkwürdigen Bäume Bayerns in Wort und Bild. Piloty & Löhle, München 1900.

http://www.br.de/br-fernsehen/sendungen/wir-in-bayern/heimat/baum-der-bayern-kreuzeiche-huerbel-rangen-lehrberg-100.html
https://www.monumentale-eichen.de/bayern/2-kategorie/h%C3%BCrbel/
https://de.wikipedia.org/wiki/Kreuzeiche
http://www.kopfbaumkultur.de/downloads/schmid-eiche-b.pdf                                                                                                                                                            http://www.naturfreunde-ansbach.de (Vorstellung der Infotafel)


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