Das Eibenvorkommen in Paterzell – eines der letzten seiner Art

Das Eibenvorkommen in Paterzell – eines der letzten seiner Art

Mächtige Alteibe mit Adventivtriebe

Es ist ein sehr besonderer Ort – nirgendwo in Deutschland gibt es ein vergleichbares Vorkommen mit so vielen Alteiben wie im ‘Eibenwald’ in Paterzell. Mit rund 2.000 Alteiben auf 90ha ist dieser Wald seit 1939 eines der ältesten Naturschutzgebiete Deutschlands. Bis zur Säkularisation im Jahr 1803 war er im Besitz des Klosters Wessobrunn. Da der Waldboden relativ sumpfig war, wurde er offenbar weniger als Viehweide genutzt.1 Als einer von wenigen konnte er dem flächendeckenden Feldzug mit der Axt entkommen. Zweck dieser ökologischen Katastrophe im Mittelalter war die Verwendung des Eibenholzes zur Herstellung von Langbögen und damit der Waffenhandel. Von der Auslöschung der Mehrzahl der Eibenvorkommen Europas konnten sich die Wälder nicht erholen. Heute gehört der Wald zum Staatsforst.

Eiben stehen gewöhnlich mit anderen Baumarten wie Fichte, Buche, Esche, Bergahorn und vielen anderen Bäumen in Mischwäldern. Im Unter- und Mittelstand erreichen sie selten die obere Baumschicht. Mit gerade einmal fünf Prozent der Lichtmenge des Freilands kann die Eibe noch Samen und Blätter bilden.3 Damit ist Sie die schattenverträglichste Baumart Europas. Es ist sehr eindrucksvoll durch diesen gestuften Wald zu streifen. Die alten Bäume haben einen “starken Charakter”. Der Wald zeigt je nach Lichtstimmung und Wetter sehr unterschiedliche Gesichter und erzeugt eine Vielzahl von Stimmungen. Diese lassen den Wald etwas märchenhaft und verwunschen erscheinen. Diese Unterschiede zum gewohnten forstwirtschaftlich geprägtem Erscheinungsbild unserer Wälder wecken in einem ein Gefühl von Ehrfurcht.

Die Eiben im Paternzeller Eibenvorkommen werden auf mehrere hundert Jahre datiert. Das äußerst langsame Wachstum von Eiben macht Sie zusammen mit dem Buchsbaum zum härtesten und dauerhaftesten einheimischen Holz Europas.3 Der Grund für die besonders hohe Dichte an Eiben an diesem Standort liegt auch an einer geologischen Besonderheit. Das Vorkommen bedeckt einen Steilhang eines über 100m hohen Moränenwalls des Loisacher Gletschers. Meterdicker Tuffstein überzieht den Boden und die Eibe wächst hier besser als die anderen Baumarten.1

Trotz ihres Giftes hat Sie es sehr schwer bei der Verjüngung. Dies zeigt eine Untersuchung von Huber Rössner der bereits 1958 keine Eibe unter 70 Jahren vorfand. Tausende von Sämlingen die jedes Jahr aus dem Boden sprießen sind nach wenigen Jahren wieder verschwunden. Der Schutz durch Zäune gestaltet sich sehr aufwendig.4 Die Äsung durch Schalenwild, gefolgt vom Mäusefraß und dem Verbiß durch durch Hasen und Kanninchen gilt abgesehen von längeren Trockenphasen als Hauptgrund für hohe Sterbilchkeitsraten.3

Seit ich mich mit Bäumen beschäftige bin ich erstaunt wie oft die mächtigsten und ältesten Bäume unseres Landes dem Vandalismus oder besser gesagt der Unvernunft zum Opfer fallen. Etwa 700 Jahre soll die stärkste Eibe in Paterzell überlebt haben ehe sie 1997 dem Feuer zum Opfer fiel.1

Die Eibe als Baumart war für mich lange Zeit eine Unbekannte. Verwunderlich bei all dem Reichtum an botanischen Besonderheiten, kulturgeschichtlichen Überlieferungen, Geschichten und Mythen die mit der ältesten Baumart Europas verbunden werden. Hat man sich einmal mit diesem Baum beschäftigt, so fällt es schwer sich zu entscheiden wo man anfängt und aufhört zu erzählen. Sie wird mir noch viel Freude auf diesem Blog bereiten. Der Ethnobotaniker Fred Hageneder hat über diese Baumart eine umfassende, einzigartige und liebevoll gestaltete Monografie die ihres gleichen sucht erstellt.

Eine veranschaulichende Beschreibung zu den mystischen Momenten im Paterzeller Eibenvorkommen hat das Kamerateam des Bayrischen Fernsehens zum Film ‘Im Zauberwald – Die Eiben von Paterzell’ von Kai Schubert geliefert:

Es war nicht leicht, dem Zauberwald, dessen Magie sich oft nur für kurze Momente offenbart, seine Geheimnisse mit Kamera und Mikrofon zu entlocken. Und an ein Drehbuch wollte sich die gewaltige Natur schon gar nicht halten. So hat sie das Filmteam gelehrt, was der Film den Zuschauer lehren kann: die Schönheit des Augenblicks zu genießen – und ihre Vergänglichkeit.“2

1: Flyer: Paterzeller Eibenpfad – Die Eibe – auf den Spuren einer geheimnisvollen Baumart, Bayrische Staatsforsten; 2: Film: Im Zauberwald – Die Eiben von Paterzell; in Film von Kai Schubert; 3: Fred Hageneder: Die Eibe in neuem Licht, Neue Erde, Saarbrücken 2007, ISBN 978-3-89060-077-2; 4: Hubert Rössner: Bemerkungen zum Paterzeller Eibenwald: Erinnerungen, Beobachtungen, Vermutungen


3 thoughts on “Das Eibenvorkommen in Paterzell – eines der letzten seiner Art

  1. Bisher hatte ich noch nicht viel Ahnung von Eiben. Scheinen ja echt sehr interessante Bäume zu sein. Vielen Dank für die eindrucksvollen Bilder.

  2. Hi Andi,
    beeindruckend, was du für Bilder machst und was du alles weißt. Mir war von der Eibe nur bekannt, dass sie giftig ist.
    LG
    ina

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